Jun 10 2015

Historie

Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Jahre 1951 mit der Eröffnung eines neuen Kapitels deutsch-türkischer Geschichte. Die Idee einer Gesellschaft zur Förderung der deutsch-türkischen Beziehungen erwuchs zuerst in Ankara, wo 1952 eine türkisch-deutsche Freundschaftsvereinigung gegründet wurde. Die Türkei war noch im selben Jahr vor Deutschland der NATO beigetreten. Während des Besuchs einer Delegation deutscher Abgeordneten in die Türkei auf Einladung des türkischen Parlaments, keimte um den deutschen Botschafter in Ankara, Wilhelm Haas, die Idee einer deutsch-türkischen Freundschaftsvereinigung in der jungen Bundesrepublik auf.

Am 12. Oktober 1953 wurde in Bonn unter der Ägide des damaligen Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers (CDU) und des späteren Vizekanzlers Erich Mende (FDP) die Deutsch-Türkische Gesellschaft gegründet. Schließlich verlieh die Deutsch-Türkische Gesellschaft Bonn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (CDU) 1954 die Ehrenmitgliedschaft.
Ihr erster Vorsitzender Prof. Dr. Fritz Baade (SPD) lebte zwischen 1935 bis 1946 als politischer Emigrant in der Türkei und gehörte zum Zirkel um Ernst Reuter. Baade war maßgeblich an Atatürks Reformpolitik im Bereich Landwirtschaft beteiligt. Stellvertretender Vorsitzender wurde Prof. Dr. Ferdinand Friedensburg (CDU).
Zu den Gründungsmitgliedern zählten viele Deutsche, die während der NS-Herrschaft in die Türkei emigrierten. Dazu gehörten der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Hans Wilbrandt, der Schauspieler Carl Ebert, der Botaniker Prof. Dr. Alfred Heilbronn, der Jurist Prof. Dr. Ernst Hirsch, der Zoologe Prof. Dr. Curt Kosswig, der Dermatologe Prof. Dr. Alfred Marchionini, der Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Fritz Neumark, der Altphilologe Prof. Dr. Georg Rohde, der Architekt Prof. Dr. Paul Bonatz und der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Christiansen-Weniger. 1955 wurde der Turkologe Prof. Dr. Ernst Jäckh zum Ehrenmitglied ernannt.

1974 wurde Prof. Dr. Hans Wilbrandt Nachfolger von Baade. Der Agrarwissenschaftler emigrierte 1934 in die Türkei und schloss sich der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke gegen die NS-Diktatur an. Er kehrte 1953 nach Deutschland zurück und gehörte zu den Gründungsfiguren der Deutsch-Türkischen Gesellschaft. Er gründete Institute an der TU Berlin und an der Universität Göttingen. Von 1986 bis 1988 war der Archäologe Prof. Dr. Ludwig Budde Vorsitzender.

Die „Mitteilungen der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Bonn“ sind besonders hervorzuheben, die die DTG zwischen 1954 und 1997 herausgegeben hat. Sie sind für die historische Forschung und natürlich auch für alle an den wechselvollen deutsch-türkischen Beziehungen Interessierte eine unschätzbare Fundgrube.

 

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