Nov 30 2015

Veranstaltungen 2015

Veranstaltungen der Gesellschaft im abgelaufenen Jahr 2015:


Do., 27. November 2015:

„DTG Gesprächsabend – Sohbet Gecesi“

 

Bild Besucherandrang Kulturabend

Besucherandrang beim Kulturabend der DTG im November 2015

Verträge und Gesetze, Diplomaten und Wirtschaftspartner – dies alles kann zur Bildung friedlicher kultureller Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. Aber die DTG Bonn ist der Meinung, dass der Schlüssel dafür die persönliche Begegnung ist.
Aus diesem Grunde hatten wir uns entschlossen, einen lange überfälligen Kultur- und Gesprächsabend zu organisieren. Nach langer Vorbereitung und vielen Einladungen konnten wir diesen Begegnungsabend endlich Wirklichkeit werden lassen.


 

 

Die DTG lud daher am 27. November 2015 zum Gesprächsabend – türk. „Sohbet Gecesi“ – in die Räume des Oxford-Clubs Bonn ein, um im Sinne ihres Vereinszwecks durch Gespräch, Austausch und näheres Kennenlernen „die Deutsch-Türkischen Beziehungen zu fördern“. Es entfaltete sich ein abwechslungsreiches Programm, das neben kulinarischem Genuss musikalische und lyrische Beiträge aus der türkischen Kultur bereit hielt.

 

Bild Kulturabend Lyrikrezitation

Rosemarie Kuper rezitierte türkische Lyrik

Bild Marz türkische Volkslieder

Rasim Marz spielte türkische Volkswaisen


 

Zuerst spielte Rasim Marz, Historiker und Autor, auf der türkischen Laute bekannte Volkslieder. Dabei gab es den ersten Höhepunkt des Abends, denn er wurde von Emine Emel Yıldız, unserer Schatzmeisterin, mit Gesang herausragend begleitet.
Außerdem lauschte das Publikum gebannt der lebendigen Darbietung unseres Vorstandsmitglieds Rosemarie Kuper, die türkische Lyrik-Stücke vortrug.

 

Bild Chor Bonn'da Türk kültürü

Chor der Gruppe „Bonn’da Türk kültürü“

Ein weiterer Höhepunkt des Kulturabends war der Auftritt des hiesigen musikalischen Freundeskreises „Bonn’da Türk Kültürü“ – „Türkische Kultur in Bonn“.
Die Gruppe, die sich dem Hobby des türkischen Gesangs verschrieben hat, bot dem Publikum unter der Leitung von Yılmaz Eryiğit ein mitreißendes Chor-Potpourri, bei dem viele unserer Gäste gleich mit einstimmen konnten.


 

 

Wie immer ist der beliebteste Treffpunkt beim Gedankenaustausch das kulinarische Buffet. Und so war es kein Wunder, dass inspiriert durch die von unseren Mitgliedern und Freunden selbstgemachten Leckereien die Pausen zwischen den Programmpunkten sehr ausgiebig zum Austausch genutzt wurden. Dabei wechselte sicher auch so manches „Geheimrezept“ die kulturelle Grenze…

 

Bild DTG Kulturabend Buffet

Bei diesem Buffet konnte niemand widerstehen


 

Die DTG bedankt sich bei allen Helfern, Musikern, Vortragenden und natürlich auch bei allen Gästen für einen wirklich unvergesslichen Abend!

 


Do., 05. November 2015:

Bild Podiumsdiskussion Türkei-Wahlen

Experten diskutieren den Wahlausgang in der Türkei

Am 1. November 2015 fanden in der Türkei vorgezogene Parlamentswahlen statt, nachdem sich aus der Wahl vom 7. Juni keine regierungsfähige Mehrheit bilden konnte. Wenige Tage danach richteten wir unseren Blick auf das Land und fragten uns gemeinsam mit angesehenen Experten:

Wie geht es weiter am Bosporus? Erwartet uns Kontinuität, ein Kurswechsel oder gar instabile Verhältnisse?
Welche Rolle spielte der Anschlag von Ankara im Wahlkampf und was bedeutet das Ergebnis für die (politische) Zukunft des Landes?

Der Saal platzte aus allen Nähten, als am 05. November 2015 die DTG Bonn, die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. zu dieser interessanten Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Türkei nach den Neuwahlen – Kontinuität, Kurswechsel, oder instabile Verhältnisse“ im Bonner Universitätsclub eingeladen hatten.
Auf dem Podium diskutierten ausgezeichnete Experten ihres Fachs:

  • Dr. Hans-Georg Fleck, Projektleiter Türkei der Stiftung für die Freiheit
  • Dr. Yaşar Aydın, Hamburg, Sozialwissenschaftler an der HafenCity Universität Hamburg
  • Ayça Tolun, Funkhaus Europa, Programmleitung Türkische Redaktion
  • Atilla Türk, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft e.V., Bonn

Atilla Türk moderierte gleichzeitig die Diskussion.

Im Folgenden haben wir die wichtigsten Aussagen unserer Experten noch einmal zusammengefasst:

Bild Ayca Tolun Funkhaus Europa

Ayça Tolun, Funkhaus Europa

Ayça Tolun, Programmleitung Türkische Redaktion im Funkhaus Europa:

In Deutschland wird die AKP oft nur als islamisch-konservativ dargestellt, sie gilt in der Türkei aber auch als stark nationalistische Partei. Damit trifft die AKP einen Nerv, der den meisten Türken sehr wichtig ist.

Knapp 1,5 Million türkische Wahlberechtigte leben in Deutschland. Im Juni haben von diesen etwa 480.000 gewählt, bei dieser Wahl 600.000, was einen großen Sprung darstellt. Letztes Mal lag die AKP bei diesen Wählern bei 54% und die HDP bei 17%. Jetzt liegt die AKP bei ihnen bei 59,4% und die HDP bei 16,2%, während die HDP insgesamt nur 10,4% bekommen hat. Türkei-stämmige Migranten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern haben also dieses Mal möglich gemacht, dass die HDP über die 10%-Hürde und damit überhaupt ins Parlament gekommen ist.

Es ging der AKP nach der ersten Wahl, in der die HDP mit überraschendem Ergebnis ins Parlament einzog und es verhindert hat, ein Präsidialsystem einzuführen, darum, die HDP auszuschalten. Dies bedeutete, dass der Friedensprozess mit den Kurden einseitig von der Regierung aufgekündigt wurde, um innenpolitische Spannung zu schaffen.

Ich halte es nicht für moralisch, unser Flüchtlingsproblem in der Türkei lösen zu lassen. Die Türkei hatte bis vor kurzen kein Asylgesetz, daher konnte sie auch nicht als sicheres Herkunftsland gelten. Jetzt gibt es das Gesetz, es wird aber nicht angewendet. Flüchtlinge gelten als „Gäste“, haben daher keinen Status und müssen nicht betreut werden. Das wird wohl auch so bleiben. Mit den Flüchtlingen wird es ein Schachern geben um Visa-Freiheit und eine politische Aufwertung der Türkei.

Erdoğan betont immer, dass er den „IS“ und die PKK für gleichwertig hält, was die Gräueltaten anbelangt. Er möchte unbedingt durchsetzen, dass an der türkisch-syrischen Grenze nicht noch eine kurdische Zone entsteht. Davon wird er nicht abrücken. Ich glaube nicht, dass die Möglichkeit in einen Krieg gezogen zu werden, Erdoğan in irgendeiner Form Angst macht.

Bild Yaşar Aydın HafenCity Universität Hamburg

Dr. Yaşar Aydın, HafenCity Universität Hamburg


Dr. Yaşar Aydın, Sozialwissenschaftler an der HafenCity Universität Hamburg:

Die Kurden sind nicht mehr so homogen wie man es annimmt, es findet eine Differenzierung statt. Die HDP wird in Deutschland als Kurdenpartei wahrgenommen, sie ist aber eine sehr ambivalente Partei. Auf der einen Seite pflegt die HDP einen sehr demokratischen Diskurs und auf der anderen Seite eine sehr romantische Sichtweise, z.B. auf den Sozialismus.

Erdoğan hat durch die internationalen Einflüsse und seine Erfolge in der Außenpolitik massive Aufwertung erfahren. Das Einvernehmen mit den USA und der Besuch von Bundeskanzlerin Merkel waren im Wahlkampf mitentscheidend.

Das Interesse an einem EU-Beitritt steigt wieder in der Türkei. Zuletzt dachte man, die Türkei könne ihre Probleme alleine lösen und Regionalmacht werden. Jetzt ist auch bei der AKP-Führung eine Ernüchterung eingekehrt. Erdoğan hat eingesehen, dass die Türkei ohne einen EU-Beitritt in der Region nicht gut aufgestellt ist. Das ist auch eine Chance für Europa. Wenn die EU die Verhandlungen fortsetzt, hat sie einen Hebel in der Hand.

Unter den Kurden gab es viele Menschen, die es nicht gut fanden, dass die HDP mit türkischen Linken koaliert hat, darunter auch linksextremistische Gruppierungen. Von diesen Wählern sind einige zur AKP gewechselt. Wir müssen abwarten, ob es der HDP gelingt, sich wieder von diesen Organisationen zu emanzipieren.

Bild Dr. Hans-Georg Fleck Projektleiter Türkei

Dr. Hans-Georg Fleck, Projektleiter Türkei Stiftung für die Freiheit


Dr. Hans-Georg Fleck, Projektleiter Türkei der Stiftung für die Freiheit:

In dem Dreieck Türkei – „Islamischer Staat“ – Kurden haben sich im Laufe dieses Sommers Gewalt und Unsicherheit entwickelt, die ganz wesentlich zur Entscheidung der türkischen Wähler beigetragen haben. In den letzten Monaten versuchte die PKK, autonome Regionen im Südosten der Türkei zu installieren, was als Angriff gegen den türkischen Zentralismus gewertet wurde. Die HDP hat es vor der Wahl nicht geschafft, sich eindeutig davon zu distanzieren.

Man sollte in dieser Situation der Türkei entgegenkommen und mit ihr verhandeln, ohne die Spielregeln zu ändern. Wenn Frau Merkel meint, dass man jetzt die Standards in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ändern könnte, ist das ein Aberwitz. Darüber, ob die Türkei die europäischen Standards erfüllen kann, kann man sehr große Zweifel haben. Wenn man aber die Spielregeln ändert, schadet man denjenigen, die in der Türkei versuchen, europäische Standards hochzuhalten und sich darauf zuzubewegen, unabhängig von einer letztendlichen Mitgliedschaft des Landes.

Erdoğan wird seinen Erfolg ausnutzen. Währenddessen weiß die politische Opposition derzeit nicht so recht, wie sie in Zukunft agieren soll. In der zivilgesellschaftlichen Opposition und im Medienbereich herrscht ein extrem hohes Maß an Frustration. Die Türkei ist auf dem Wege der Demokratisierung gewesen, aber dieser Weg ist abgebrochen worden.

Es könnte gut sein, dass die Türkei nun ein berechenbarerer Partner wird. Die Türkei hat in den letzten Jahren eine Außenpolitik verfolgt, die gar nicht ihren realpolitischen Interessen entsprach, sondern den ideologischen Prämissen der AKP-Führung. Es gibt Ansätze, dass in der Außenpolitik schon Veränderungen im Gange sind. Die Türkei sitzt jetzt an einem Tisch mit dem Iran, mit dem sie ein sehr ambivalentes Verhältnis hat, und spricht über Syrien in einer Form, die man vor einem Jahr noch für völlig unmöglich gehalten hätte.

Bild Atilla Türk Vorsitzender DTG Bonn

Atilla Türk, Vorsitzender DTG Bonn


Atilla Türk, Vorsitzender der DTG Bonn:

Für den Wähler zählte Stabilität. Einerseits wirtschaftliche Stabilität, weil die Wirtschaft nicht mehr so gut gelaufen ist. Andererseits die Terroranschläge. Hinzu kam die Unfähigkeit der Oppositionsparteien, Handlungsfähigkeit zu beweisen und gegebenenfalls eine Koalition zu bilden. Die Einheit der Türkei ist für die Türken sehr wichtig, zum Teil sehen sie sie gefährdet, konkret auch durch kurdische Extremisten.

In der Türkei leben etwas mehr als 2 Millionen Flüchtlinge und viele von diesen versuchen über die Türkei in die EU zu kommen. Die Türkei soll nun der EU dabei helfen, die Flüchtlinge zurückhalten. Als Gegenleistung verlangt sie neben einer Geldzahlung Visa-Freiheit und eine klare Beitrittsperspektive in die EU. Bisher ist nichts in Angriff genommen worden.

 

Bild Expertenrunde DTG-Diskussion Nov. 2015

Die Expertenrunde und ihre Organisatoren:
v.l.n.r. Dr. Yaşar Aydın, Dr. Hans-Georg Fleck, Ayça Tolun, Volker Schlegel, Atilla Türk, Jan-Frederik Kremer


Die zahlreichen Zuschauerfragen und der anhaltende Beifall des Publikums zeigten uns deutlich, dass die Podiumsdiskussion eine rundum gelungene Veranstaltung war. Die DTG Bonn möchte sich an dieser Stelle sehr herzlich bei den Partnergesellschaften FNS und DGAP sowie beim Universitätsclub Bonn für die Unterstützung bedanken!

 

Hinweis: Für die Zusammenstellung der prägnantesten Aussagen der Diskussionsteilnehmer sind wir der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit sehr verbunden.


Do., 25. Juni 2015:

Podiumsdiskussion zum Thema „Die Türkei nach den Parlamentswahlen am 7. Juni 2015“

Veranstaltungsort: „Gremiensaal“ der DEUTSCHEN WELLE, Kurt-Schumacher-Straße 3, 53113 Bonn, ab 18 Uhr.

Eingeladen hatten die DTG, die Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP).

Auf dem Podium diskutierten:

  • Botschafter Dr. Geert-Hinrich Ahrens, Bonn, Leiter der OSZE-Wahlbeobachtungskommission in der Türkei
  • Dr. Yaşar Aydın, Hamburg, HafenCity Universität Hamburg
  • Bahaeddin Güngör, Bonn, Leiter der Türkischen Redaktion der Deutschen Welle
  • Prof. Dr. Udo Steinbach, Berlin, Humboldt-Viadrina School of Governance
  • Atilla Türk, Dipl.-Inf., Vorsitzender der DTG Bonn, Moderation

Zum Thema: Steht die Türkei nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der seit 13 Jahren regierenden AKP vor einer neuen Epoche? Ist Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit seinen Allmachtsansprüchen endgültig gescheitert? Sind wir – u.a. mit dem Erfolg einer sich nicht nur als Kurdenpartei definierenden HDP – Zeugen der Entstehung einer neuen politischen Kultur?
Ãœber diese und andere brandaktuelle Fragen haben wir mit hochkarätigen Türkei-Experten diskutiert.

Nach den Begrüßungsworten durch den DTG-Vorsitzenden Atilla Türk hielt Prof. em. Dr. Heinz-Jürgen Axt, Mülheim/Ruhr, vorm. Universität Duisburg-Essen, zugleich Vizepräsident der Südosteuropa-Gesellschaft, den Einleitungsvortrag.

Bild Impulsvortrag Tuerkei-Wahlen Prof. Axt

Impulsvortrag von Prof. Axt zu den Türkei-Wahlen 2015

Anschließend entwickelte sich eine spannende Debatte auf dem Podium. Es wurden beispielsweise Erkenntnisse aus der OSZE-Wahlbeobachtungskommission über den Wahlablauf berichtet. Mögliche Koalitionen zur Regierungsbildung sowie die Vor- und Nachteile für die jeweiligen Parteien wurden beleuchtet.
Außenpolitische Einflüsse (z.B. die anhaltenden Kämpfe in Syrien nahe der türkischen Grenzgebiete) oder die Schwäche der türkischen Wirtschaft waren ebenso ein kontroverses Thema.
Zuletzt gaben die Experten ihre Einschätzungen dazu ab, ob sich die künftige Strategie des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zur eigentlich gewünschten Verfassungsänderung durch das Wahlergebnis ändern könnte und welche neuen innerparteilichen Konstellationen in der Regierungspartei AKP möglich sind.

Das Publikum machte in den Fragerunden rege Gebrauch von der Möglichkeit, mit den Gästen zu diskutieren.

Bild Gesamtpodium Türkei-Wahlen

Das hochkarätig besetzte Podium: V.l.n.r.: Prof. Udo Steinbach, Prof Yaşar Aydın, Atilla Türk, Dr. Geert-Hinrich Ahrens, Baha Güngör.

Alles in allem war es aufgrund des aktuellen Themas und des Expertenwissens der Podiumsgäste eine gelungene Veranstaltung. Die DTG bedankt sich sehr herzlich für die Unterstützung der Partnergesellschaften SOG und DGAP sowie bei der Deutschen Welle für die organisatorische Gastfreundlichkeit!


Do., 02. Mai 2015:

Teilnahme am „Europatag Bonn“

Ort: „Altes Rathaus“ der Stadt Bonn, von 11:00 – 16:00 Uhr.

Das Jahr 2015 ist das „Europäische Jahr für Entwicklung“. Unter dem Motto „Unsere Welt, unsere Würde, unsere Zukunft“ will die EU in 2015 Bewusstsein schaffen für die Bedeutung von Entwicklungszusammenarbeit, die kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema fördern und Verständnis für eine gemeinsame Verantwortung in der globalisierten Welt schaffen.

Aus Anlass des Bonner Europatages hatte das ehrwürdige „Alte Rathaus“ am Samstag, den 2. Mai von 11:00 – 16:00 Uhr seine Türen geöffnet. An diesem Tag konnten sich die Bürgerinnen und Bürger über die Arbeit der zahlreichen europäischen und europapolitisch aktiven Organisationen, Vereine und Initiativen in Bonn informieren.

In den Repräsentationsräumen auf der ersten Etage des Alten Rathauses war die Deutsch-Türkische Gesellschaft Bonn ebenfalls mit einem Informationsstand vor Ort. Bei frischen „Simit“ (türk. Sesamkringel) und „Lokum“ (einer traditionellen orientalischen Süßspeise) ergaben sich informative Gespräche mit den interessierten Bürgern.
Besonders die von der DTG bereit gestellten zahlreichen Poster und Infomaterialien zu Tourismus, Geschichte und Kultur der Türkei erfreuten sich einer großen Nachfrage.

Bild Buergermeister Nimptsch mit DTG

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch mit Vertretern der DTG

Der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ließ es sich nicht nehmen, dem DTG-Infostand ebenfalls einen Besuch abzustatten. Der Bonner Europatag im Alten Rathaus erfreut sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit und ist bereits zu einer guten Tradition geworden.


Fr., 17. April 2015:

Vortrag zum Thema „Die Schlacht von Çanakkale und Gallipoli 1915 – Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg“
Oberst i.G. Klaus Wolf

Veranstaltungsort: „Haus an der Redoute“, Bonn-Bad-Godesberg, Kurfürstenallee 1 a, ab 19:30 Uhr.

Eingeladen hatten die DTG und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP) Forum NRW.

Zum Thema: Die Schlachten von Gallipoli 1915 – das heißt die Seeschlacht um die Dardanellen vom 18. März 1915 und die amphibische Landung der alliierten Truppen, die am 25. April 1915 begann – hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der heutigen Türkei, aber auch von Australien und Neuseeland eingeprägt. Ebenso gedenken andere an den Schlachten beteiligte Nationen wie Frankreich und Großbritannien der Geschehnisse und insbesondere der Opfer.

Bild Oberst Wolf Vortrag Gallipoli 1915

Oberst i.G. K. Wolf spricht zum Jahrestag der Schlachten von Gallipoli 1915

Dass jedoch zu jener Zeit ein Bündnis zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich bestand und bei dieser Schlacht auch deutsche Soldaten beteiligt waren, ist landläufig kaum bekannt. Ebenso wird diese Tatsache in der Geschichtsschreibung des ehemaligen Bündnispartners wenig beachtet. Dabei waren bei den Kämpfen zu Lande, zur See und zur Luft unmittelbar vermutlich mehr als 1.000 deutsche Soldaten beteiligt.

Bei diesem Vortrag wurden neben einem kurzen Abriss über die historischen Hintergründe des Bündnisses und der beiden Schlachten auch die besonderen Umstände in der Zusammenarbeit zwischen den beiden Bündnispartnern dargestellt. Anschließend stand Oberst i.G. Wolf für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

Zur Person: Klaus Wolf war über sechs Jahre in einem NATO-Stab in Istanbul stationiert. Während dieser Zeit recherchierte und schrieb er das Buch „Gallipoli 1915 – Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg“, dass mittlerweile auch in die türkische Sprache übersetzt worden ist:

Bild DTG-Vortrag Wolf Buchabbildung

Oberst Wolfs Werk ist auch in türkischer Sprache erschienen


Mi., 11. März 2015:

Vortrag zum Thema „Das Geheimnis von Göbekli Tepe, einer frühneolithischen Grabung in der Südosttürkei“
Prof. Dr. Ludwig Morenz, Universität Bonn

Veranstaltungsort: Hörsaal des Akademischen Kunstmuseums Bonn, Am Hofgarten, ab 19:30 Uhr.

Zum Thema: Der archäologisch interessierte Besucher von Göbekli Tepe nahe der ostanatolischen Stadt Urfa (Şanlıurfa) steht staunend vor dem Mega-Heiligtum, das der „Bauchige Berg“ auf seiner Höhe bisher freigegeben hat, und staunend betrachtet er die geheimnisvollen Tierbilder und abstrakt wirkenden Bildzeichen, die die flachen, in Kreisen angeordneten Steinstelen überziehen wie reliefartige Tattoos einen Körper.
Als der Bonner Ägyptologe Professor Ludwig Morenz den Ort besuchte, hatte sein Ausgräber, Professor Klaus Schmidt, die Geschichte seiner Entdeckung bereits geschrieben („Sie bauten die ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger“, München 2006) und lud ihn ein, an seiner darin begonnenen Deutung der Tier- und Bildzeichenreliefs, die er als steinzeitliche Hieroglyphen ansieht, mitzuarbeiten. Das ließ sich der Hieroglyphenkenner nicht zweimal sagen. Das Ergebnis dieser Kooperation mit Klaus Schmidt legt er nun vor in der Publikation: „Medienevolution und die Gewinnung neuer Denkräume. Das frühneolithische Zeichensystem (10./9.Jt.v.Chr.) und seine Folgen“, Berlin 2015 (EB-Verlag).

In seinem Vortrag hatte Professor Morenz uns in Geheimnisse des frühen Neolithikums eingeweiht, eines Zeitalters, dem Nachrichtenübermittlung über Zeit und Raum hinweg keineswegs unmöglich war, und das von Anfang an über ein System von Symbolen, über mediale Netzwerke und über die Fähigkeit verfügte, ein kulturelles Gedächtnis zu bilden und zu bewahren. Warum er im Zeichensystem von Göbekli Tepe das fehlende Bindeglied zwischen Bild und Schrift erkennt, und wie wir uns den Sprung in eine neue mediale Welt von damals vorzustellen haben, darüber hatte Professor Morenz in seinem kenntnisreichen Vortrag Auskunft gegeben. Außerdem wurde das sakrale Feld, in dem wir diese Entwicklung verorten können, skizziert. Aufgrund der Markierung mit graphischen „Namenstäfelchen“ können einige der frühen Pfeiler-Wesen aus Göbekli konkret als Gottheiten angesprochen werden, und diese historische Tiefe ist religionsgeschichtlich wahrlich sensationell.

Bild DTG-Vortrag Morenz Goebekli Tepe

Prof. L. Morenz erläutert rätselhafte Zeichen und Symbole aus Göbekli Tepe

Nach seinem Vortrag führte Professor Morenz noch eine Gruppe von besonders archäologisch Interessierten durch die Sammlung des Ägyptischen Museums der Universität Bonn.

Zur Person: Ludwig Morenz studierte orientalische Archäologie von 1985-1993 an den Universitäten Halle und Leipzig, schrieb seine Dissertation über „Beiträge zur ägyptischen Schriftlichkeitskultur des Mittleren Reiches und der zweiten Zwischenzeit“ und habilitierte sich 2001 an der Universität Tübingen. Verschiedene Stipendien, u.a. der DFG, führten ihn nach Gotha, Uppsala und Wien. Seit 2009 ist er Lehrstuhlinhaber für Ägyptologie der Universität Bonn mit Forschungsschwerpunkt Schriftgeschichte, Kultursemiotik, Ägyptische Bildanthropologie und Literatur des Mittleren Reiches.

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